Interview: Jens Häfner mit Frank Schrange von CastleWell

Was macht man mit einigen Unverbesserlichen, die seit dreizehn Jahren dem traditionellen Heavy Metal fröhnen? Richtig, man stellt ihnen einige Fragen, denn das muß man doch genauer wissen. CASTLE WELL ist eine deutsche Truppe, besteht aus Christoph Niksch (v), Thomas Niksch (d), Frank Schrange (g, v) und Chris Klomann (b). Wenn der Klomann zweimal klingelt, steht mir Frank für ein paar Fragen zur Verfügung:

I.P.: "Ihr besteht seit 1985. Wie habt Ihr die damalige Zeit erlebt, wer waren Eure Vorbilder, wie habt Ihr die aufkeimende German Metal-Szene erlebt (Stichwort WARLOCK »Hellbound«)?"

F.S.: "Ja, seit August 1985 bestehen wir, und wir haben als Metal-Fans die damalige Metal-Szene bewundert, aber wir waren mehr auf die englischen Bands fixiert, sprich MAIDEN, PRIEST, TYGERS, RAVEN, SATAN. WARLOCK war nicht so unser Fall. Ich schwor zu dieser Zeit schon auf eine Band, die wieder in aller Munde ist: STORMWITCH, aber auch RUNNING WILD fand und find ich immer noch klasse hehehe, Metal Never Dies."

I.P.: "Neben einigen Demos wart Ihr auf einem Sampler vertreten."

F.S.: "Wir waren auf dem »Metal Gear« von OTR Records vertreten, mit so namhaften Bands wie CUSTARD, LANFEAR, usw. Der Sampler hat es leider nie in ein Fanzine geschafft, weil die Firma ja schon das Geld von den Bands eingesackt hatte, was vermutlich langte. Einmal habe ich einen Bericht darüber gelesen, und zwar im German Underground Crossection, und warum? Weil wir ihn dorthin geschickt hatten. Traurig, aber wahr."

I.P.: "Wieso so eine lange Zeit lediglich mit Demoveröffentlichungen?"

F.S.: "Eine häufig gestellte Frage! Ganz einfach, im Jahre 1985 konnten wir gerade unsere Instrumente grade halten, mehr nicht! Und 1986 war auch keine Besserung in Sicht, obwohl wir schon zwei Demos veröffentlicht hatten, aber purer Schrott in der Ausführung. Eines dieser alten Stücke haben wir jetzt neu aufgelegt: 'Witches must burn' unser Beitrag zum sogenannten True Metal, hehehe. Danach sind wir das erste Mal ins Studio, so 1987/88 und nahmen das erste Mal professionell auf, dieses dritte Demo war dann wirklich unser erstes vernünftiges. Bis dahin hießen wir AIRWOLF, aber da gab es diese Duisburger Band, und deswegen suchten wir uns einen Namen, den keiner kopieren konnte: CASTLE WELL. Ok, bis dahin hatten wir schon ein paar Labelanfragen gehabt, aber von echten Haien der Szene, von geldgeilen Typen, aber wir unterschrieben den Mist nicht, weil damit wären wir nur am zahlen gewesen, und dann? Dann lief die Thrashwelle richtig an und traditioneller Metal lebte zwar, war aber nicht mehr hip und schon gar nicht bei den Labels. Danach starteten wir mit unserem ersten Castle Well-Demo und unserem bis dahin besten Sound, um den Namen zu etablieren. OK, erste Reaktion gab es in der ersten Ausgabe des German Underground Crossection, da war das Teil dann aber schon so drei Jahre alt, in dieser Zeit lief nicht so viel bei CASTLE WELL, wir traten auf der Stelle, das war so 1990, jeder mußte sich um seine Zukunft Gedanken machen, dazu kamen natürlich Weibergeschichten. Kurzum, die Luft war raus. Dann kam der Grunge, aber wo der hinführte, ist ja bekannt, zum Glück! Wir rafften uns 1994 zusammen und schmiedeten das Demo »At dawn«, was uns Erfolg bis nach Griechenland einbrachte, obwohl wir da nie was hingeschickt hatten. Dann kam die Sache mit dem Sampler und schwuppdiwupp hatten wir auf einmal Post aus aller Herren Länder. Wir spielten noch 1996 ein Demo namens »Jam Session 96« (blöder Name) ein, mit vier Spuren live im Proberaum. Mit diesem Teil versorgten wir erstmals konkret alle uns bekannten Labels und Fanzines und machten uns so einen Namen, nur die Labels wollten nicht so recht bis auf die üblichen Haie der Szene. Ok, heutzutage haben wir auch weiterhin Anfragen, aber wir wollen nicht mehr bei einem Label unterkommen, es sei denn Metal Blade, GUN oder Nuclear Blast, oder so was, aber wichtig ist der Vertrag, daß wir uns selbst vermarkten. Wir haben eine GbR gegründet, haben ein eigenes Konto und stehen mit verschiedenen Vertrieben in Kontakt. Ich kenne genügend Bands, deren CD von Labels vertrieben wird, die nichts, aber überhaupt nix tuen, die nur die Produktionskosten von der Band eingesackt haben und dann an die Band die CDs für 15,- DM verkaufen. Das heißt, du mußt für Deine eigene CD 15,- DM hinblättern, um sie dann zu einem Fanzine zu schicken, damit das Teil besprochen wird. Ok, jetzt bin ich abgeschweift. Mit dem letzten Demo wollten wir ja ein paar Labels aufmerksam machen, was mißlang. Daraufhin beschlossen wir, eine Eigenproduktion zu machen, wir kauften uns eine 16 Spur-Bandmaschine und Studioequipment, und nahmen das Teil zuhause im Proberaum auf. Dann gingen wir ins Studio und mischten in nur vier Tagen ab. Hätten auch ein paar mehr sein können, aber leider ging uns das Geld aus. Wir ließen 1.000 Stück mit ausreichendem Coverartwork pressen, denn wir wollten keine Verarsche rausbringen, das war uns das Geld wert."

I.P.: "Jo, das Geld isses allemal wert. Ist mit Eurer CD ein Musikertraum in Erfüllung gegangen, eine eigene CD im Schrank stehen zu haben?"

F.S.: "Die CD ist schon ein kleiner Traum, und den haben wir uns selbst verwirklicht, wirklich fast selbst wie ein Heimwerker, und das macht Lust auf die nächste CD, denn die hier verkäuft sich alles andere als schlecht. Aber kleine Fehler die uns aufgefallen sind, werden wir beim nächsten Mal versuchen zu vermeiden, wir sind über jede Kritik auch froh, die bringt uns weiter."

I.P.: "Wie seid Ihr mit der Veröffentlichung zufrieden? Wann steht eine neue an?"

F.S.: "Also wir sind zufrieden, keine Frage, weil wir vor kurzem u.a. 50 CDs nach Japan losgeworden sind. Wir müssen aufpassen, daß wir die ersten 1.000 nicht schon bald ausverkauft haben. Die neue CD muß noch warten, wir machen erst ein paar Gigs und schreiben dann in aller Ruhe an einem Konzept, was davon handelt, daß eine halbverbrannte Hexe Rache nimmt. Spielt im Mittelalter, und liegt leider voll im Trend zur Zeit. War aber keine Absicht, aber bis das Teil rauskommt, ist der Trend wieder vorbei hahaha."

I.P.: "Was ich nicht hoffen möchte! Woher stammt der Klassikpart bei '2020' und ist Euch aufgefallen, daß die Gitarrenparts etwas nach 'I still love you' von KISS klingen?"

F.S.: "Das ist die Moldau, eingespielt vom London Symphonieorchester. Live macht das unser Sänger auf Keyboard, aber wir fanden die Klassikvariante besser, zumal die das Teil in der gleichen Tonart spielten (Zufall). Die Gitarren klingen nach Kiss? Muß ich mal gucken, wer die Platte von denen hat, Ich habe nämlich nichts von Kiss, ich finde die Hits von denen gut, kenne aber die Platten ansich nicht, also muß ich mal hören, war aber keine Absicht."

I.P.: "Nuja, passiert heute ja öfter. Raum für Euch, was habt Ihr loszuwerden?"

F.S.: "True Metal ist ja ein schöner Ausdruck, doch ich hoffe, den Leuten ist klar, daß das alles zum Trend übergehen wird, nennt es doch einfach traditioneller Metal oder Heavy Metal und man soll dem Heavy Metal auch Spielraum lassen, denn das läuft nicht mit diesem Strickmuster, das geht nicht gut. Wir werden auch weiterhin die Keyboards so einsetzen und Balladen schreiben und wir werden auch weiterhin nix anderes machen wie all die Jahre und werden uns niemanden anbiedern und die breite Palette unseres Sounds ausnutzen ohne ausgewimpt zu klingen."

Euer Wort in Gottes Ohr. Alle, die auf alten, deutschen Metal können, denen sei CASTLE WELL ans Herz gelegt. Frank Schrange, Weiherstr. 39, 61479 Schloßborn